Es ist vorbei. Darf man sagen „endlich!”, ohne sich eines Shuttle-Sakrilegs schuldig zu machen? Egal. Um 11:57.54 Uhr MESZ sind heute zum letzten Mal die Räder eines Space Shuttles auf Runway 15 in Cape Canaveral zum Stillstand gekommen. Endlich.
Natürlich war das Shuttle – rein technisch betrachtet – eine fantastische Maschine, es hat Menschen inspiriert und in seinen besten Tagen auch begeistert. Wer jemals einen Shuttle-Start live erleben durfte, wird das Grollen, das Beben, die unbändige Kraft nicht mehr vergessen.
Das Shuttle war aber auch das falsche Gefährt für den falschen Zweck.
Im Grunde kann man es mit einem SUV, im besten Fall noch mit einem Pickup-Truck vergleichen. Es war schwer, spritschluckend und teuer im Unterhalt. Es konnte weder Menschen effizient transportieren, noch Fracht billig in den Orbit bringen. Es war ein überdimensionierter Zwitter, geboren aus Notwendigkeit heraus. Und es konnte lediglich in den niederen Erdorbit fliegen, ohne überzeugendes Ziel und ohne zwingende Aufgabe. Lawrence Krauss hat das beim Guardian sehr schön zusammengefasst.
Nein, es ist gut, dass die Shuttle-Ära zuende geht. Zu spät, aber immerhin würdevoll.

Ende einer Ära: Die Atlantis landet zum letzten Mal in Cape Canaveral (Foto: Nasa/Kim Shiflett)
Ohne den fliegenden Bremsklotz ist jetzt endlich Gelegenheit, die bemannte Raumfahrt voranzubringen. Private Unternehmen können die langweilige Routinearbeit wie die Versorgung der Internationalen Raumstation übernehmen, während sich die Raumfahrtagenturen ihrer eigentlichen Aufgabe widmen können: der Erkundung des Weltalls – und zwar über die lächerlichen 350 Kilometer hinaus, die das Space Shuttle zuletzt zwischen sich und die Erde gelegt hat, und auch über die Mondbahn hinaus. Und am besten nicht national beschränkt, sondern als internationales Projekt, als gemeinsames Unterfangen der Menschheit.
Ein Traum? Das Ende der Shuttle-Flüge hat all das zumindest möglich gemacht.
Man muss es nur wollen.
Als ich den Mars-Rover Spirit zum letzten Mal sah, machte er keinen guten Eindruck. Das linke Vorderrad war tief im Sand versunken, das rechte Rad drehte sich nicht mehr, auf den Solarzellen lag eine dicke, deutlich sichtbare Staubschicht. Spirit wirkte verlassen, einsam, irgendwie hilflos.

Ende aller Hoffnung: Verlassen und verstaubt steht ein Ingenieursmodell des Mars-Rovers Spirit Ende Februar 2010 im Sandkasten des Jet Propulsion Laboratorys. (Foto: Stirn)
Zugegeben: Es war nur ein Ingenieursmodell, eine Kopie des Rovers, die in einem Sandkasten am kalifornischen Jet Propulsion Laboratory stand. Acht Monate lang hatten die Ingenieure dort alles versucht, um die Situation des Rover, der sich in einem staubigen Mars-Krater selbst eingegraben hatte, im Labor nachzustellen – und um einen Ausweg aus der misslichen Lage zu finden. Doch bereits bei meinem Besuch, Ende Februar 2010 war spürbar, dass es für Spirit keine Rettung geben wird, dass die Ingenieure ihren Rover mehr oder weniger aufgegeben hatten. Genau 25 Tage später sollte er sein letztes Lebenszeichen zur Erde funken.
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Zehn Verse aus der Schöpfungsgeschichte waren es, die der US-Raumfahrtbehörde Nasa riesige Begeisterung aber auch rechtlichen Ärger bescherten. Vorgetragen wurden sie an Heiligabend 1968 von den Astronauten an Bord des Raumschiffes Apollo 8 – während der ersten Umkreisung des Mondes durch eine bemannte Raumkapsel.

Orte des nächsten PR-Stunts von Esa und katholischer Kirche: Die Vatikanische Bibliothek (oben links) und die ISS (nicht im Bild). (Foto: Cnes 2005 - Distribution Spot Image)
Jeder vierte Mensch, behauptet zumindest Wikipedia, hörte damals, dass Gott Himmel und Erde erschaffen hat – ein unbeschreiblicher medialer Erfolg, gleichzeitig aber auch Anlass für die Atheistin Madalyn Murray O’Hair, beim Obersten Gerichtshof eine Klage einzulegen. Staatliche Bedienstete, so ihre Argumentation, hätten in der Öffentlichkeit nicht zu beten. Das Gericht erklärte sich zwar für nicht zuständig, die Nasa machte ihren Apollo-Astronauten aber deutlich, dass sie sich künftig öffentlich zurückhalten sollen. Als Buzz Aldrin auf dem Mond die Kommunion durchführte, schaltete er folglich den Funk ab, und auch später erzählte er nur sehr zögerlich davon.
Heute scheint all das nicht mehr zu gelten. weiterlesen… »
Abschied nehmen, nächster Teil. Und dieses Mal ist es eine durchaus persönliche Angelegenheit. Denn die Endeavour, die am heutigen Montag zu ihrem letzten Flug starten soll, war für mich immer eine ganz besondere Raumfähre im Fuhrpark der Nasa: Sie war der erste Orbiter, den ich live beim Start gesehen habe – damals, Mitte der 90er Jahre, in einer eiskalten Januarnacht in Cape Canaveral.

Die Endeavour startet am 11. Januar 1996 ins All. Von den billigen Touristen-Plätzen am Nasa Causeway war deutlich weniger zu sehen. Trotzdem war es eine prägende Erfahrung. (Foto: Nasa)
Tag 2 in Cape Canaveral. Starttag. Weiter geht’s mit dem kleinen Blick hinter die Kulissen des letzten Starts der Raumfähre Discovery. Wer wissen will, was bisher passierte, bitteschön.

Reserviert: Mein Stativ, mein Platz, mein Bild. (Foto: Stirn)
7.42 Uhr: Was dem Pauschaltouristen sein Handtuch ist dem Shuttle-Touristen sein Stativ: Überall auf dem Weg zum Kap haben sich die Menschen mit ihren Stativen bereits die besten Plätze mit dem besten Blick und der besten Fotomöglichkeit reserviert.
Auf den letzten Drücker, kurz bevor die Raumfähre Endeavour am Freitagabend zu ihrem letzten Flug aufbrechen soll, habe ich es doch noch geschafft, meine Eindrücke vom finalen Start der Discovery zu bloggen. Hier also ein kleiner Blick hinter die Kulissen von Cape Canaveral, wie immer subjektiv und voll mit Nebensächlichkeiten. Aufgrund der vielen Fotos gibt es das Ganze in zwei Teilen.
Den Anfang macht der Tag, den Raumfahrer nur L-1 nennen, Launch minus eins, der Tag vor dem Start:

Der Tag vor dem Start: Hinten, im Dunst, drei Meilen entfernt, steht die Discovery. (Foto: Stirn)
8.55 Uhr: „Wann wurden zum letzten Mal Ihre Fingerabdrücke genommen”, fragt der Mitarbeiter im Badging Office, in dem jeder ausländische Besucher seine Hundemarke bekommt. Die Antwort bei „Bei der Einreise in die USA” lässt er nicht gelten. Jetzt haben auch FBI und Kennedy Space Center meine Fingerabdrücke. Nur für den Fall, dass ich eine Raumfähre klauen will.
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