Hallo, Herr Gerst!

Okt
2014
31
Gewohnt charmant und routiniert beantwortet Alexander Gerst auf der ISS Fragen von Journalisten. Doch es ist alles andere als eine normale Pressekonferenz. Screenshot: (Nasa-TV)

Gewohnt charmant und routiniert beantwortet Alexander Gerst auf der ISS Fragen von Journalisten. Doch es ist alles andere als eine normale Pressekonferenz. (Screenshot: Nasa-TV)

Im Grunde bewundere ich ja Astronauten: die Schwerelosigkeit, das Abenteuer, die Arbeit an der vordersten Linie der technologischen Entwicklung, diese unfassbare Aussicht.

Doch dann: dieser streng durchgetaktete Alltag, diese Fremdbestimmtheit, dieses stupide Abarbeiten eines Plans, diese immer gleichen Aufgaben und immer gleichen Fragen. Die Freiheit 400 Kilometer über den Wolken scheint wohl doch nicht so grenzenlos zu sein.

Am gestrigen Donnerstag stand auf dem Dienstplan von Alexander Gerst, der derzeit als Flugingenieur Nr. 6 (FE-6) seine letzten Tage auf der Internationalen Raumstation verbringt:

11:50 – 12:00: FE-6 Crew Prep for PAO

Und:

12:00-12:10: FE-6 PAO Hardware Setup
12:10-12:30: FE-6 PAO Event

„PAO“ steht im weltweiten Raumfahrt-Akronym-Englisch für „Public Affairs Office“, also irgendwas mit Öffentlichkeitsarbeit. Im Fall von Alexander Gerst war das am Donnerstag eine Video-Pressekonferenz mit deutschen Journalisten, die ihm aus dem Columbus-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen vor den Toren Münchens zugeschaltet waren.

Niemand muss ein Handtuch mitbringen: Die Plätze für die  ausgewählten Fragesteller sind reserviert - in der zuopr festgelegten Reihenfolge. (Foto: Stirn)

Niemand muss ein Handtuch mitbringen: Die Plätze für die ausgewählten Fragesteller sind reserviert – in der zuvor festgelegten Reihenfolge. (Foto: Stirn)

Wer sich darunter ein lockeres Frage-und Antwort-Spiel vorstellt, hat noch nie mit Missionsplanern zu tun gehabt. Im All ist Zeit buchstäblich Geld, und Live-Calls, wie die Schalten zur ISS im Raumfahrtjargon heißen, gehören zu den wertvollsten und seltensten Angeboten, die die Raumfahrt-PR im Repertoire hat.

Entsprechend streng, straff und professionell sind sie organisiert: Wer Fragen stellen darf, wird vorher festgelegt. Auch die Reihenfolge ist vorgegeben: Die ungeraden Nummern gehen an die Kolleginnen und Kollegen von Funk und Fernsehen; sie stehen links auf der Besucherbrücke mit Blick in die Kontrollräume. Die schreibende Zunft, mit den geraden Nummern, sitzt rechts. Wer mit seiner Frage an der Reihe ist, bekommt kurz vorher ein Headset mit Mikrofon übergestülpt. Ein PR-Manager drückt dann den Sprechknopf und lässt ihn – nach gestellter Frage – genauso schnell wieder los. Rückfragen sind nicht erlaubt und nicht erwünscht. Gnadenlos läuft die Zeit bis zum Ende des Live-Calls auf einem Monitor im Kontrollzentrum herunter.

Kaum ein Journalist würde unter solchen Voraussetzungen und derart geknebelt die Presseveranstaltung eines Politikers besuchen. Doch das hier ist auch keine normale Pressekonferenz. Es ist eher Folklore, Entertainment, Spaß – und vielleicht auch ein bisschen Bauchpinseln der ausgewählten Journalisten und Medien. Es sind nette Fragen, nette Antworten, mal mehr, mal weniger belanglos. Breaking News sucht man hier vergebens. Stattdessen liefert Gerst – gewohnt charmant und routiniert – Antworten, die er zum Teil in ähnlicher Form schon vor dem Start gegeben hat. Was auch völlig okay ist. Es zählt der O-Ton aus dem All, nicht so sehr der Inhalt des Gesagten. Ist das noch Journalismus? Gute Frage.

Dreizehn Kolleginnen und Kollegen hat das PR-Team für das 20-minütige Spektakel ausgewählt. Die Zahl basiert auf langjährigen Erfahrungen. Letztlich können 14 Fragen gestellt werden, was nochmals die Professionalität der Planung zeigt.

Punkt 12.30 Uhr GMT verabschiedet sich Alexander Gerst. Er winkt kurz und schwebt aus dem Bild. Die nächste Aufgabe wartet schon. Sie lautet:

12:30-12:40: FE-6 System Laptop Terminal (SLT) Reboot

GIFed: ATV-5

Aug
2014
11
Start des ATV-5 am 29. Juli in Kourou. Fotos/Animation: Stirn

Start des ATV-5 am 29. Juli in Kourou. Fotos/Animation: Stirn

Solide Technik aus den 90ern, visualisiert mit solidem Webdesign aus den 90ern. ;)

Der Start des europäischen Raumfrachters “ATV-5″ am 29. Juli 2014 in Kourou als animiertes GIF- zusammengesetzt aus 29 Einzelbildern, aufgenommen zwischen 20:47:27 und 20:47:44 Uhr Ortszeit.

Frohes neues Jahr…

Dez
2013
31

…und immer einen klaren Blick wünsche ich allen Leserinnen und Lesern!

Tiger Leaping Gorge, Yunnan, China, Dezember 2013. (Foto: Stirn)

Tiger Leaping Gorge, Yunnan, China, Dezember 2013. (Foto: Stirn)

Es war – bedingt durch einen längeren Aufenthalt in China – sehr ruhig hier in den vergangenen Monaten. Das soll sich im kommenden Jahr wieder ändern, stehen mit Rosetta, dem letzten Flug des ATV und dem ersten Flug von Alexander Gerst doch jede Menge interessanter Ereignisse in Europas Raumfahrt an. Und auch die Chinesen, um die es künftig verstärkt an dieser Stelle gehen soll, werden sich bestimmt nicht lumpen lassen.

Vorerst, zumindest für ein paar Wochen, geht es allerdings noch an anderer Stelle weiter. In diesem Sinne: 新年快乐!

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Im Herbst soll die europäische Astrometrie-Mission Gaia ins All starten und eine Milliarde Sterne der Milchstraße vermessen. Am gestrigen Donnerstag gab es – nach Abschluss der Testkampagne – die Möglichkeit, einen letzten Blick auf das Weltraumteleskop zu werfen, bevor es in den kommenden Wochen verpackt und nach Kourou geschickt wird. Als Starttermin peilt die Esa den 25. Oktober 2013 an. Das Datum ist von den Betreibern der Sojus-Rakete, die Gaia zu seinem Einsatzort bringen soll, allerdings noch nicht bestätigt.

Ich werde an geeigneter Stelle noch mal ausführlicher auf die Mission eingehen. Hier (oder drüben bei Flickr) aber schon mal ein paar Bilder des Teleskops aus dem Reinraum von Astrium in Toulouse, wo die letzten Vorbereitungen vor dem Verpacken laufen.

Offenlegung: Der Besuch in Toulouse erfolgte auf Einladung der Esa, die die Kosten für Flug und Unterkunft übernommen hat.

Europas vorletzte Rate zum Aufbau und zum aktuellen Betrieb der Internationalen Raumstation ISS, der unbemannte Raumfrachter ATV-4, kreist derzeit um die Erde. Nachdem das ATV, von seinen Erbauern “Albert Einstein” getauft, in der Nacht auf Donnerstag in Kourou gestartet ist, braucht es zehn Tage, um sein Ziel zu erreichen – in gerade einmal 400 Kilometern Luftlinie über dem Boden.

Und so sieht das vom Balkon inmitten der Münchner Lichtverschmutzung aus:

Das ATV-4 am 7. Juni 2013 um 3.17 Uhr MESZ über München (Canon EOS 50D, 6 s, f/3,2, ISO 400, stark gecroppt).

Das ATV-4 am 7. Juni 2013 um 3.17 Uhr MESZ über München (Canon EOS 50D, 6 s, f/3,2, ISO 400, stark gecroppt).

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Blasser Schimmer

Mai
2013
17

Nie mehr werde ich mich über die ACE-Sonde lustig machen. Versprochen. Ich werde sie auch nie mehr – wie in der Vergangenheit – als altersschwach bezeichnen. Ehrenwort. Denn ACE (Advanced Composition Explorer), eine Raumsonde, die in 1,5 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde ankommende Sonnenstürme registriert, hat mir meine ersten Polarlichter beschert:

Polarlichter

Okay, erfahrene Polarlicht-Beobachter werden angesichts des schwachen Schimmers wahrscheinlich laut auflachen. Aber nach zwei erfolglos durchwachten und durchfrorenen Nächten in den Hügeln von Kiruna, waren die grünen Schleier (die auf den Fotos deutlicher herauskommen als sie in Wirklichkeit waren) eine willkommene Überraschung.

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