Frohes neues Jahr…

Dez
2013
31

…und immer einen klaren Blick wünsche ich allen Leserinnen und Lesern!

Tiger Leaping Gorge, Yunnan, China, Dezember 2013. (Foto: Stirn)

Tiger Leaping Gorge, Yunnan, China, Dezember 2013. (Foto: Stirn)

Es war – bedingt durch einen längeren Aufenthalt in China – sehr ruhig hier in den vergangenen Monaten. Das soll sich im kommenden Jahr wieder ändern, stehen mit Rosetta, dem letzten Flug des ATV und dem ersten Flug von Alexander Gerst doch jede Menge interessanter Ereignisse in Europas Raumfahrt an. Und auch die Chinesen, um die es künftig verstärkt an dieser Stelle gehen soll, werden sich bestimmt nicht lumpen lassen.

Vorerst, zumindest für ein paar Wochen, geht es allerdings noch an anderer Stelle weiter. In diesem Sinne: 新年快乐!

Im Herbst soll die europäische Astrometrie-Mission Gaia ins All starten und eine Milliarde Sterne der Milchstraße vermessen. Am gestrigen Donnerstag gab es – nach Abschluss der Testkampagne – die Möglichkeit, einen letzten Blick auf das Weltraumteleskop zu werfen, bevor es in den kommenden Wochen verpackt und nach Kourou geschickt wird. Als Starttermin peilt die Esa den 25. Oktober 2013 an. Das Datum ist von den Betreibern der Sojus-Rakete, die Gaia zu seinem Einsatzort bringen soll, allerdings noch nicht bestätigt.

Ich werde an geeigneter Stelle noch mal ausführlicher auf die Mission eingehen. Hier (oder drüben bei Flickr) aber schon mal ein paar Bilder des Teleskops aus dem Reinraum von Astrium in Toulouse, wo die letzten Vorbereitungen vor dem Verpacken laufen.

Offenlegung: Der Besuch in Toulouse erfolgte auf Einladung der Esa, die die Kosten für Flug und Unterkunft übernommen hat.

Europas vorletzte Rate zum Aufbau und zum aktuellen Betrieb der Internationalen Raumstation ISS, der unbemannte Raumfrachter ATV-4, kreist derzeit um die Erde. Nachdem das ATV, von seinen Erbauern “Albert Einstein” getauft, in der Nacht auf Donnerstag in Kourou gestartet ist, braucht es zehn Tage, um sein Ziel zu erreichen – in gerade einmal 400 Kilometern Luftlinie über dem Boden.

Und so sieht das vom Balkon inmitten der Münchner Lichtverschmutzung aus:

Das ATV-4 am 7. Juni 2013 um 3.17 Uhr MESZ über München (Canon EOS 50D, 6 s, f/3,2, ISO 400, stark gecroppt).

Das ATV-4 am 7. Juni 2013 um 3.17 Uhr MESZ über München (Canon EOS 50D, 6 s, f/3,2, ISO 400, stark gecroppt).

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Blasser Schimmer

Mai
2013
17

Nie mehr werde ich mich über die ACE-Sonde lustig machen. Versprochen. Ich werde sie auch nie mehr – wie in der Vergangenheit – als altersschwach bezeichnen. Ehrenwort. Denn ACE (Advanced Composition Explorer), eine Raumsonde, die in 1,5 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde ankommende Sonnenstürme registriert, hat mir meine ersten Polarlichter beschert:

Polarlichter

Okay, erfahrene Polarlicht-Beobachter werden angesichts des schwachen Schimmers wahrscheinlich laut auflachen. Aber nach zwei erfolglos durchwachten und durchfrorenen Nächten in den Hügeln von Kiruna, waren die grünen Schleier (die auf den Fotos deutlicher herauskommen als sie in Wirklichkeit waren) eine willkommene Überraschung.

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Mächtig Wirbel

Mai
2013
6

Schon immer mal gewundert, wie diese Wirbelschleppen aussehen, wegen denen Flugzeuge bislang einen großen Sicherheitsabstand einhalten müssen?

Da kann ich helfen. So:

Wirbelschleppe - sichtbar gemacht mit Rauch (Foto: Stirn)

Wirbelschleppe – sichtbar gemacht mit Rauch (Foto: Stirn)

Da Foto entstand vergangene Woche bei Experimenten zur Eindämmung der Wirbel am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen.

Mehrere Dutzend Mal flog dazu das Forschungsflugzeug HALO, eine umgebaute Gulfstream G550, über den Flugplatz. Bei den letzten Überflügen wurden die Wirbelschleppen schließlich mit jeder Menge Rauch sichtbar gemacht. (Ich werde an anderer Stelle in den nächsten Tagen noch etwas zu den Hintergründen und Ergebnissen des Versuchs schreiben.)

Hier (oder direkt bei Flickr) gibt es aber noch ein paar zusätzliche Bilder:

Mehr als 1,1 Millionen Fotos haben die Astronauten auf der Internationalen Raumstation mittlerweile von der Erde gemacht – zumindest sind so viele im „Gateway to Astronaut Photography of Earth” verzeichnet, dem offiziellen Nasa-Portal für Astronauten-Fotos.

Nathan Bergey hat sich nun dankenswerterweise die Mühe gemacht, zu jedem dort verzeichneten Bild automatisch den Längen- und Breitengrad des Aufnahmeortes von der Webseite zu holen und in eine Datenbank zu packen – eine Technik, die „scrapen” genannt wird. Bei Guthub präsentiert Bergey bereits einige faszinierende grafische Auswertungen der Daten, bei denen sich allein aus den Punkten der Aufnahmeorte die Umrisse der Kontinente abzeichnen.

Ich habe – mehr als Fingerübung, weil ich schon immer mal mit Google Fusion Tables experimentieren wollte – zunächst für drei Missionen grob die Bilder herausgefiltert und mit Links versehen, die laut offiziellen Angaben über Deutschland geschossen wurden. (Aus Gründen der Einfachheit habe ich alle Bilder genommen, die zwischen 5,8 und 15,1 Grad östlicher Länge und nördlich von 47,2 Grad aufgenommen wurde, so dass von den Nachbarländern leider auch noch etwas dabei ist. Mal schauen, ob ich das noch verfeinert bekomme.)

So sieht das für die aktuelle, im Mai zu Ende gehende Expedition 34 aus: Jeder Punkt steht dabei für eines oder mehrere der 789 Bilder, ein Klick auf die Punkte zeigt jeweils den Link zum Nasa-Fotoarchiv. (Hier gibt es das Ganze auch nochmal als große Karte in einem neuen Fenster.)

Bei der Expedition 1 vor mehr als zwölf Jahren bot sich noch ein ganz anderes Bild (hier ebenfalls als große Karte):

Lediglich fünf von insgesamt 474 veröffentlichten Fotos wurden damals mehr oder weniger über Deutschland aufgenommen – oder knapp 1,1 Prozent. Anteilsmäßig ist damit (wenn man die magere Statistik mal außen vor lässt) der Unterschied zur Expedition 34 gar nicht so groß. Dort sind es aktuell 1,5 Prozent.

Und wie schaute es bei der Expedition 13 aus, der Langzeitmission von Thomas Reiter? Überraschend viele Bilder wurden damals gemacht, in der Allzeit-Tabelle liegt diese Expedition sogar auf Platz vier. 851 Fotos entfallen auf die untersuchte Region, ein Deutschland-Fokus lässt sich trotz Thomas Reiter bei gut 1,1 Prozent allerdings nicht ausmachen (hier wiederum die große Karte):

Ich werde in den nächsten Woche noch ein bisschen tiefer in die Datensätze einsteigen. Das Ganze ist aber, wie gesagt, eher eine Spielerei als eine ernsthafte Auswertung. Leider sind die Geokoordinaten mit nur einer Nachkommastelle relativ ungenau. Sie beziehen sich zudem stets auf den Nadir, also den Punkt direkt unter der Station. Ist die Kamera in die Ferne gerichtet, kann somit durchaus mal eine ganz andere Region zu erkennen sein.

Außerdem habe ich den Eindruck, dass die Ortsangaben (zumindest bei den älteren Aufnahmen) mitunter sehr ungenau sind, so dass London oder Mailand locker an den Niederrhein verlegt werden. Das sieht man auch an diesem Foto des Frankfurter Flughafens: Laut Geo-Daten soll es über Marburg aufgenommen worden sein.